Cornern: Wie der Späti zum Wohnzimmer der Stadt wurde
Kaltes Getränk, Bordstein, gute Gesellschaft: Warum sich halbe Nachbarschaften vor dem Späti treffen – und was das über die Stadt erzählt.
Cornern – das Wort kommt vom englischen corner, der Ecke. Gemeint ist das entspannte Zusammenstehen vor dem Späti, oft mit einem kalten Getränk in der Hand. Was in Berlin begann, ist längst in vielen Städten zum sommerlichen Ritual geworden.
Das günstigste Open-Air der Stadt
Cornern ist niedrigschwellig: keine Tür, kein Eintritt, kein Mindestverzehr. Der Späti liefert die Getränke, die Straße den Raum, die Leute den Rest. Gerade in teuren Städten ist das ein demokratischer Gegenentwurf zur Bar – hier treffen sich Studierende, Schichtarbeiter, Touristen und Alteingesessene am selben Bordstein.
Mehr als Trinken
Beim Cornern geht es selten ums Betrinken. Es geht ums Dazugehören, ums spontane Gespräch, um das Gefühl, dass die Stadt einem gehört. Der Späti ist dabei Gastgeber und Bühne zugleich: Sein Licht, sein Kühlschrank und seine Bank machen aus einer beliebigen Ecke einen Ort.
Zwischen Kult und Konflikt
So beliebt das Cornern ist, so umstritten ist es auch. Anwohner klagen über Lärm und Müll, Ordnungsämter über Glasflaschen und nächtlichen Trubel. Manche Städte reagierten mit Verboten oder Auflagen. Die Debatte zeigt: Der Späti ist nicht nur Geschäft, sondern öffentlicher Raum – und der wird ausgehandelt.
Wer mitcornern will, findet auf spätik den nächsten geöffneten Späti in der Nähe. Den Rest – gute Gesellschaft – bringst du selbst mit.